Rassebeschreibung

Historie des Bulldog

Die Bedeutung dieser Hunderasse kann für die gesamte Hundezucht überhaupt nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit dem Bulldog wird noch bis zum heutigen Tage das ganze englische Volk identifiziert, die Rasse wurde zum Symbol der englischen Nation (John Bull). Es gibt keine andere Hunderasse an der sich die Geister so extrem scheiden. Die Skala der Empfindungen reicht von extremer Abscheu bis zur rückhaltslosen Bewunderung – ja fast Anbetung. Dabei beschränken sich die Gefühle bei weitem nicht nur auf die Beurteilung des Charakters des Hundes, sondern erstrecken sich auch auf seine äußere Gestalt.
(Dr. Dieter Fleig; Kampfhunde...wie sie wirklich sind.)

Bereits 1406 beschreibt der Herzog von York in „The master of the Game“ drei verschiedene Alaunt-Typen und differenziert schon den Alaunt vom Mastiff. Der „Alaunt ventreres“(Saupacker des Jägers) und „Alaunt  of the butcheries“ (Bullenbeißer des Metzgers) werden als Ahnherr des „Bulldog“ vermutet. Es wird beschrieben das die Alaunts große schwere Hunde seien mit großen Köpfen und schweren Lefzen und Behängen. Sie seien so häßlich das es kein großer Verlust ist wenn sie von einer Sau oder einem Bullen getötet werden. Alaunts wurden von Metzgern zum Viehtreiben gehalten, ein einziger Hund konnte einen Bullen festhalten. Da diese Hunde auch zur Jagd eingesetzt wurden, waren sie sicher größer als die späteren Bulldogs, ihre übrigen Aufgaben ähnelten aber bereits dem Zweck, für den der Bulldog später gezielt gezüchtet wurde.
In einem Brief, mittels dem 1630 aus San Sebastian zwei Hunde aus London bestellt wurden, taucht erstmals das Wort Bulldog auf. Aus zahlreichen Schilderungen während des 17. und 18. Jahrhunderts ist zu erkennen das sich analog zum geänderten Einsatzzweck der Bulldogs auch ihre Anatomie änderte. Während der alte Typ zum „bullrunning“ (treiben) noch längere Beine brauchte, waren beim „bullbaiting“ (packen) andere anatomische Eigenschaften gefragt. Dies wird klar beim damaligen Einsatzzwecks des Bulldogs: „ Der Bulldog muß sich so tief wie möglich am Boden entlang robbend an den Bullen heranarbeiten, dabei den Hörnern des Gegners möglichst wenig Angriffsfläche bieten, dann je nach Haltung des Bullen mit einem mächtigen Satz gegen das Maul des Bullen springen. Dann braucht er mächtige Kiefer, fest wie Schraubstöcke, um sich wirklich fest zu verbeißen. Play low, pin and hold ! “ Tiefgeduckt auf dem Boden heranrobben, verbeißen, gnadenlos festhalten. Für diese Aufgaben wurde unser Bulldog über viele Hundegenerationen gezüchtet.

1889 beschreibt Hugh Dalziel  in seinem Buch „British-Dogs“ Anatomie und Charakter des Bulldogs: „ Kurze Nase, großer und massiver Kopf mit breitem Fang. Je größer der Kopfumfang, verursacht durch die starke Backenmuskulatur, desto mehr Muskelkraft preßt die Kiefer zusammen. Je kürzer der Fang umso kräftiger der Griff. Der Unterkiefer greift vor den Oberkiefer, dies ermöglicht dem Hund im Angriff von vorn den Bullen an der Nase zu fassen. Die Flügel der Nase weichen zurück, dadurch kann die Luft frei zur Nase durchströmen, auch wenn sich der Hund fest verbissen hat. Es ist offensichtlich, daß wenn der Unterkiefer nicht bis vor die Nase vorgeschoben wäre, Nase und Kiefer auf einer Linie lägen, die Nase völlig flachgedrückt würde. Dies würde das Atmen schwer beeinträchtigen und der Hund wäre kein richtiger Bulldog, der all seinen Aufgaben gewachsen wäre. Der Körper des Bulldogs ist wie der eines richtigen Mannes, breite und tiefe Brust, in der Taille schmal. Aufgrund der Tiefe der Brust und der starken, muskelbepackten Schultern wirken die Vorderläufe kurz. Sein Rücken ist kurz und kräftig – langrückige Hunde sind schwächlich, langsam, schwerfällig, ermüden leicht und sind in der Bewegung lose, schwankend und unkontrolliert. Die Hinterläufe sind stark und muskulös, bringen eine Fülle von nach vorne stoßender Kraft.“

 

Es darf nicht verschwiegen werden, das der Name Bulldog in damaliger Zeit mit blutroter Tinte geschrieben wurde, wenngleich er nie im Kampf gegen den Menschen eingesetzt wurde. Als im Jahr 1835 in England alle Tierkämpfe verboten wurden, stand der Bulldog vor einer ungewissen Zukunft. Wo vorher noch der Adel und berühmte (!) Hundehändler diese Rasse „pflegten“ konnten diese nun kein Geld mehr an ihr verdienen. Es gilt als überliefert, das die untersten englischen Klassen das Aussterben des Bulldogs verhinderten. Der alte englische Bulldog wurde zum Ahnherr vieler Rassen wie Boxer, engl. –  und franz. Bulldogge. In England begann Mitte des 19.Jahrhunderts das Wesen der Hundeausstellungen, inwieweit sich die Anatomie des Bulldogs durch den fehlenden Arbeitszweck dann zum heutigen „English-Bulldog“ veränderte, ist hinlänglich bekannt. Der alte englische Bulldog starb in England aus mangels Einsatzzweck, die Rasse war nie ein Repräsentationshund sondern existentiell zweckgebunden.

Fälschlicherweise beschreibt Dr. Dieter Fleig in seinem Buch „Kampfhunde...wie sie wirklich sind“ ein  Rückkreuzungsprogramm des Olde English Bulldog von David Leavitt mit der Überschrift „American-Bulldog“.

American Bulldog USA

Die amerikanische Entwicklung der Rasse authentisch wiederzugeben ist unmöglich. Würde man zehn große US Züchterbefragen, erhielte man zehn unterschiedliche Erklärungen. Als sicher gilt, das Ende des achtzehnten Jahrhunderts viele englische Siedler in die neue Welt reisten, dies darf man sich nicht zu romantisch vorstellen, viele von ihnen waren Strafgefangene, die aufgrund überfüllter Gefängnisse die Möglichkeit eines Neuanfangs bekamen. Dies war ein Glücksfall für den Bulldog, raus aus dem England ohne Beschäftigung, rein in das riesige Amerika mit einer Fülle von Aufgaben. Man kann sich nun fragen, wieso denn wohl ein Siedler einen Hund mitnimmt, die Antwort liegt auf der Hand, die Zeiten waren unbeschreiblich hart und was konnte man da besser gebrauchen als einen zuverlässigen vierbeinigen Freund, der die Familie inklusive Kinder sowie Hab und Gut vor allerlei menschlicher und tierischer Gefahr schützte. Der AB gilt heute noch als ausgesprochen kinderlieber Hund, die Übersiedlung nach Amerika war, was den Bezug des Hundes zum Menschen anging, eine Selektion allererster Güte. Welcher Mensch hätte einen menschenbissigen Hund mit auf eine wochenlange Schiffsreise genommen ? Von dem Moment des Eintreffens in der „Neuen Welt“ änderte sich der Einsatzzweck des Bulldogs gewaltig, war er vorher aufs bullbaiting spezialisiert, mußte er nun Bullen packen, Rinder treiben, als Haus- und Hofhund fungieren, Wildschweine abwehren, Kinder beschützen, die Jagd begleiten...

Der American-Bulldog war geboren und hielt Einzug in alle Winkel dieses riesigen Landes, hierdurch erklärt sich auch die unterschiedliche Namensgebung des Bulldogs (z.B. Old Southern White/Südstaaten) je nach Region. Heutzutage wird der AB in USA für die Jagd auf Schwarzwild (CD 1-2), Rotwild (UCD 1-3), Schutzhund, Irondog u.s.w. gehalten, neben seiner Hauptaufgabe als Familienhund. Jetzt kommen wir zur Streitfrage, ist der AB reinrassig oder wie von manchen behauptet ein Mischling ? Manche Züchter behaupten, seit Jahrzehnten rein zu züchten und bezichtigen andere der Einkreuzung diverser anderer Rassen. Sicher ist nur, daß diese Frage keiner guten Gewissens ehrlich beantworten kann. Wahrscheinlich ist der AB genausowenig ein Mischling wie andererseits rein gezogen. Je nach Aufgabe sind andere Rassen eingekreuzt worden um die Rasse zweckgebunden zu optimieren, wie auch heute noch in der europäischen Hundezucht üblich. Das teilweise unterschiedliche Erscheinungsbild des AB’s erklärt sich dann durch die mannigfalten Aufgaben und die Größe des Landes, und ob man einen Terrier oder Stockhaarbernhardiner einkreuzt macht einen Unterschied.

Das der heute bekannte AB noch existiert, verdanken wir der Familie Johnson/ Georgia, diese züchtet den AB seit Generationen in der schwereren molossoiden Form. Aus diesem Grund wird der Bully- oder Classictype auch häufig Johnsontype genannt, der überwiegende Einsatzzweck war der des Haus-/Hofhundes. Ein Nachbar, Allan Scott, züchtete leichtere AB’s die ausdauernder waren. Diese Linie wird häufig anstatt Standard- auch Scotttype genannt. Diese beiden Linien werden heute noch offiziell bei Ausstellungen getrennt gerichtet und gerne streiten sich Verfechter über die Vorzüge der favorisierten Hunde und angebliche Nachteile der anderen. Grob vereinfacht könnte man sagen das Bullys schwerer und insgesamt etwas ruhiger sind, während Standardbulldogs oft beweglicher und ausdauernder sind. Das muß aber nicht sein, obwohl bei US Performance/Irondog Shows meistens Standardbulldogs gewinnen, haben dort auch schon trainierte 60 kg schwere Bullys die Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Aber....über Geschmack kann man sich nicht streiten. Auf körperliche Unterschiede möchte ich hier nicht eingehen, diese sind im offiziellen Rassestandard nachzulesen. Nicht zu vergessen der Hybrid, der häufig verbreitete und beliebte „Mischling“ aus beiden Linien, der aber nicht getrennt gerichtet wird. Der heutige American-Bulldog hieß früher in weiten Teilen Amerikas „Pitbulldog“ , um Verwechslungen mit dem dann aufkommendem Pitbull-Terrier zu vermeiden, wurde der Pitbulldog  American-Bulldog genannt. Der AB wird bis heute von der FCI nicht anerkannt, da auch vom AKC (USA) nicht anerkannt. Die Ursache dafür ist in dem differenzierten Rassestandard zu finden, eine Schönheitsausstellung kann mit vorliegendem Rassestandard nicht durchgeführt werden nach AKC Kriterien. Wenn man sieht wie sich so manche „Schönheitsrasse“ entwickelt hat, dürfte dies kein Nachteil für den „Arbeitshund“ American-Bulldog sein.

American-Bulldog Deutschland

Die ersten Würfe fielen Mitte der neunziger Jahre unter Einfluß von holländischen und dänischen Linien, nachdem die Pioniere US Zuchthunde importierten steigerte sich die Zuchtqualität zunehmends in den letzten Jahren. Was nicht heißen soll, das US Bulldogs generell besser sind, da in den USA leider viele Züchter noch ohne HD/ED Röntgen züchten. Da muß man den meisten deutschen Züchtern ein Kompliment machen, viele züchten nach VDH-Kriterien. Die Clubsituation ist etwas verworren, es gibt viele kleinere Clubs durch Abspaltung nach Meinungsverschiedenheiten. Neben den üblichen persönlichen Streitigkeiten ist hierfür wohl auch das sehr unterschiedliche Erscheinungsbild der Rasse verantwortlich, was manchen Züchtern ermöglicht „ihre“ Linie zu verherrlichen und andere zu diskreditieren, je nach gusto. Andererseits besucht man dann doch die Ausstellungen der anderen Vereine, die überwiegend von anerkannten US-Richtern gerichtet werden. Der „Deutscher American Bulldog Club e.V.“  ist einer von zwei deutschen Clubs, die von Amerikas größter AB-Organisation, der American-Bulldog-Association (ABA) sanktioniert ist. Die deutsche AB-Zucht ist auf einem guten Weg, durch gezielte Gesundheits- und Wesensüberprüfung sieht die Zukunft des AB positiv aus, manche deutschen Züchter verkaufen mittlerweile sogar AB-Welpen in die USA. Der American-Bulldog ist ein Familienhund für „Fortgeschrittene“, der „Clown“ unter den Molossern, unser Club lehnt den Schutzdienst mit dieser Rasse nicht gänzlich ab, hält ihn aber nicht für förderlich. Trotzdem sollte ein Bulldog, je nach Veranlagung und Neigung, gearbeitet werden, hierfür bieten sich  Unterordnung, Fährte, Agility, Iron-Dog Disziplinen, Rettungshundausbildung o.ä. an. Hier muß betont werden, das man nicht sagen kann, der AB ist definitiv für diese oder jene Arbeit geeignet. Der AB ist nicht nur vom äusseren Erscheinungsbild vielfältig, sondern kann auch bezüglich Leistungsbereitschaft unterschiedliche Gesichter zeigen. Hier sollte man dem Züchter trauen können, der aufgrund der Ahnen am ehesten gewisse Neigungen beurteilen kann, ansonsten könnte die Enttäuschung groß sein. Tipps zum Welpenkauf finden Sie in unserem Downloadverzeichnis.

Von Mark Stoßberg

Hauptzuchtwart „Deutscher-American-Bulldog-Club e.V.“

Kontakt: ms@bulldogger.de